Für Ministerpräsident Christian Wulff ist gestern bei der Firma Emsflower in Emsbüren dessen Sommerreise zu Ende gegangen. Zuvor hatte er am Morgen die Unternehmensgruppe Hero-Glas in Dersum besucht. Die Stationen 22 und 23 seiner Tour durch Niedersachsen standen beispielhaft für die Wirtschaftskraft des Emslandes.

- Besuch Firma HERO-GLAS

- Besuch Firma Emsflower
Für den kleinen Ben Ross war der Besuch des Politikers bei Hero-Glas in Dersum ein großer Tag: „Lasst den Bus noch einen Augenblick stehen“, rief Wulff seinen Mitarbeitern zu, damit der quirlige Junge ihn auch von innen sehen konnte. Während Ben sich in dem großen Bus umsah, präsentierten sein Großvater Heinrich Ross und dessen Bruder Hermann Ross ihrem Gast die rund 300 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmensgruppe. Nach den Worten der Begrüßung fand Hermann Ross schnell zum Kern: „Wir haben Sonnenprodukte für die Welt“, bedeutete er Wulff, der in Kürze als Kandidat für das Bundespräsidentenamt vor die Bundesversammlung tritt.
Dersums Bürgermeister Hermann Schwarte empfing Wulff als den ersten Ministerpräsidenten, der seine Gemeinde besuche. Mit Blick auf die anstehende Wahl und das „schwarze Emsland“ gibt es für Schwarte kein Vertun: „Ihre Wahl sehen wir hier als selbstverständlich an.“ Auch der CDU-Kreistagsfraktions-vorsitzende Heinrich Hövelmann warb vor Wulff für die „Verlässlichkeit und Standfestigkeit“ der hiesigen Christdemokraten in den Räten. Das hätten sie insbesondere in der Kraftwerks-diskussion bewiesen („Als Sturm aufkam, wurden die Segel gesetzt und der Kurs gehalten“). Ein ganz praktisches Anliegen trug indes Heedes Bürgermeister Antonius Pohlmann an den hohen Gast heran: „Wir brauchen die direkte Anbindung der B 401 an die Niederlande. Das macht uns dann noch stärker.“
Die Stärken der Hero-Glas-Gruppe bekam Wulff bei seinem Rundgang eindrucksvoll präsentiert. Während vor, hinter und neben dem von den Brüdern Ross flankierten Ehrengast zahlreiche Journalisten um die besten Bilder wetteiferten, demonstrierten die Unternehmens-chefs eindrucksvoll, was die insgesamt neun Einzelunternehmen zu leisten imstande sind. Stationsweise zeigten sie Glasprodukte ihres Hauses und wählten dabei auch den praktischen Einsatz. So stiegen Wulff, Hermann Ross und Heinrich Ross auf eine große, aufgebockte Glasplatte und unterzogen diese so einem unkonventionellen Belastungstest - die Scheibe hielt, auch dann noch, als sie den ugandischen Botschafter Canon Francis Butagira zu sich holten.
Keine verbrannten Finger holte sich Ministerpräsident an der nächsten Station. Auf der einen Seite eines feuerfesten Fensters sorgte ein Gasbrenner für extreme Hitze, auf der anderen Seite hatte Wulff mutig, aber vertrauensvoll die Hand aufgelegt. Ein Signal dafür, dass Hero-Glas es mit dem von Heinrich Ross zitierten Motto ernst meint: „Glas ist unsere Leidenschaft.“
„An Emsflower kann keiner vorbei“, stellte Wulff nur wenige Stunden später bei seinem Besuch in der Großgärtnerei in Emsbüren fest. Damit spielte er auf die exponierte Lage des Unternehmens am Schnittpunkt der Autobahnen 30 und 31 an. „Egal ob jemand von Amsterdam nach Vladiwostok will oder von Helsinki nach Rom, er muss hier vorbei“, machte der Politiker mit einem Schmunzeln deutlich.
Emsflower-Chef Bennie Kuipers und seine Familie erläuterten ihrem Gast, dass das Unternehmen im Jahr bis zu 500 Millionen Blumen produziere. „Diese sorgen in der Tat in ganz Europa für Farbenpracht in den Gärten und Anlagen“, so Kuipers.
Eigentlicher Anlass für den Besuch von Wulff war die Eröffnung der neuen Touristenattraktion „Mini-Emsflower“. In dem „Probengarten“ haben unter anderem Blumenzüchter die Möglichkeit, ihre neuen Produkte der Öffentlichkeit vorzustellen, bevor sie auf den Markt kommen. Das Interesse sei groß, betonte der engagierte Unternehmer, denn Lieferanten und Züchter würden hier auch Neuheiten und verbesserte Sorten testen.
„Ich bin tief beeindruckt von der Idee“, lobte der Ministerpräsident die unternehmerische Leistung. Anerkennung galt zudem der Gemeinde Emsbüren und dem Landkreis Emsland, die gemeinsam die Rahmenbedingungen für das europaweit wohl einzigartige Unternehmen geschaffen hätten.
Nach einem Rundgang durch den Erlebnisgarten und die Produktionsanlagen hatte Bennie Kuipers als Erinnerungsgeschenk eine Karikatur des aus Emsbüren stammenden Künstlers Frank Hopmann parat. Hopmann selbst überreichte das Werk, das Christian Wulff im festen Schritt durch eine Wasserfläche in Richtung Emsflower zeigt - vielleicht auch übertragbar auf das Schloss Bellevue, so eine weitergehende Interpretation des Künstlers.
Mit dem Besuch bei dem Unternehmen endete gestern die insgesamt 23 Stationen zählende Sommerreise des Ministerpräsidenten. Kommt er das nächste Mal ins Emsland, könnte es dann ein Besuch als Staatsoberhaupt sein - am kommenden Mittwoch entscheiden darüber die 1244 Delegierten der Bundesversammlung.